Ausstellungen

Entdecken Sie aktuelle und kommende Ausstellungen in Museen und Galerien

13.03.2027 - 29.08.2027

DIE BLAUEN REITERINNEN

Erma Bossi – Sonia Delaunay-Terk – Emmi Dresler – Elisabeth Epstein – Elisabeth Erdmann-Macke – Natalija Gontscharowa – Else Lasker-Schüler – Maria Franck-Marc – Olga Meerson – Gabriele Münter – Carla Pohle – Marianne von Werefkin

 

»Hochverehrte Prinzessin, vieladeliger wilder Junge, süße Malerin, wann darf ich kommen – ich träume von der Süßigkeit Ihrer Bilder. (Der Prinz von Theben) Else Lasker-Schüler (Der blauen Reiterreiterin Freundin.)«

Else Lasker-Schüler an Marianne von Werefkin 1913

 

In einem Brief an Marianne von Werefkin erfand die expressionistische Dichterin Else Lasker-Schüler 1913 den einprägsamen Begriff der »Blauen Reiterreiterin«.

 

Dass neben Werefkin zahlreiche Künstlerinnen im Umfeld der Bewegung und ihren Ausstellungen aktiv waren und sie entscheidend mitprägten, zählt zu den Besonderheiten des »Blauen Reiters«. Neben Werefkin und Gabriele Münter sind darunter Maria Franck-Marc und Elisabeth Epstein, die ein grenzüberschreitendes Netzwerk zu Erma Bossi, Sonia Delaunay und Natalija Gontscharowa aufbauten. Ihre Rollen innerhalb des »Blauen Reiters«, ihre Einflüsse auf die ästhetische Theorie und Kunst der Bewegung sowie ihr Wirken über den Ersten Weltkrieg hinaus sind nun erstmals Thema einer umfassenden Ausstellung, die an vier Stationen in Deutschland sowie der Schweiz präsentiert wird. Der Titel geht auf die Überformung Lasker-Schülers zurück und gewährt bereits einen Einblick in die komplexen emanzipatorischen Bestrebungen der Künstlerinnen.

 

Mit der Ausstellung feiert das Paula Modersohn-Becker Museum als weltweit erstes Museum, das dem Werk einer Malerin gewidmet ist, am 2. Juni 2027 sein 100-jähriges Bestehen. Die Bremer Pionierin der Moderne wird dann auf zwölf Zeitgenossinnen treffen, die ihr Ziel teilten, in ihrer Kunst mit etablierten Wahrnehmungsgewohnheiten zu brechen.

 

Eine Ausstellung des Paula Modersohn-Becker Museums in Kooperation mit dem Museum Wiesbaden und der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München sowie der Fondazione Marianne Werefkin in Ascona/CH

26.02.2027 - 27.06.2027
Wien

MODERN FASHION – Wiener Werkstätte & Paris

Das Leopold Museum widmet sich in einer groß angelegten Ausstellung dem Thema Mode im Kontext des Gesamtkunstwerkes Wien 1900. Unter dem Titel MODERN FASHION. Wiener Werkstätte & Paris wird sich die Präsentation mit der Entwicklung der Wiener Mode um 1900 bis ca. 1930 auseinandersetzen. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts läuteten Henry van de Velde und Anna Muthesius eine Revolution in der Mode ein: Die Ablehnung des Korsetts und die Einführung des Reformkleides bilden einen bedeutenden Paradigmenwechsel in der europäischen Frauenkleidung.

 

In der Schau wird die 1911 gegründete Modeabteilung der Wiener Werkstätte in den Fokus gerückt sowie insbesondere der fruchtbare Austausch zwischen Wien und Paris, die Modemetropole par excellence, beleuchtet. Der damalige »King of Fashion«, Paul Poiret, der eng mit Künstler:innen zusammenarbeitete, stand im Austausch mit der Wiener Werkstätte. Modedesignerin Emilie Flöge reiste regelmäßig nach Paris, um aktuelle Trends zu studieren und die Wiener Werkstätte nahm mit ihrer Mode und zahlreichen weiteren Produkten an internationalen Ausstellungen teil.

 

Arbeiten von Sonia Delaunay, Raoul Dufy, Emilie Flöge, Mathilde Flögl, Josef Hoffmann, Gustav Klimt, Mela Koehler, Otto Lendecke, Maria Likarz-Strauss, Koloman Moser, Dagobert Peche, Paul Poiret, Egon Schiele oder Eduard Wimmer-Wisgrill werden in der Schau vertreten sein.

Leopold Museum WienMuseumsQuartier, Museumsplatz 1, 1070 Wien
24.02.2027 - 27.06.2027
Frankfurt am Main

Im Paradiesgarten – Kunst und Naturwahrnehmung um 1400

Mit rund zwei Quadratmetern ist die Haut das größte Organ des Menschen. Sie bedeckt und umhüllt den Körper, begrenzt und schützt ihn und macht Fühlen überhaupt erst möglich. Auf ihrer Oberfläche schreiben sich Erfahrungen und Empfindungen ein; sie prägt unsere Identität und ist zugleich auch Projektionsfläche für unser Gegenüber.

 

Ausgehend von ausgewählten Arbeiten der Graphischen Sammlung präsentiert die Ausstellung mehr als 60 Werke aus verschiedenen Medien und Epochen. Zeichnung, Malerei oder Skulptur – von den Alten Meistern bis zur Gegenwartskunst entfaltet sich ein vielschichtiges Panorama, das die Wiedergabe der Haut als eine der grundlegenden Aufgaben künstlerischer Praxis vor Augen führt. Die Haut erscheint dabei als Spiegel von Schönheit und Verletzlichkeit, von Jugend und Alter sowie als Ort der Emotion, Berührung und Begehrlichkeit. 

 

Zu sehen sind sowohl weniger bekannte Werke als auch Arbeiten namhafter Künstler wie Hans Baldung gen. Grien, Raffael, Tizian, Peter Paul Rubens, Auguste Rodin oder Robert Mapplethorpe. Durch die Gegenüberstellung der Werke werden Unterschiede und Parallelen in der Darstellung der Haut sichtbar und die Vielfalt gestalterischer Ansätze deutlich. Die verwendeten Materialien und Techniken – ob Pinsel und Farbe, Metallstift, Kreide, Kohle oder die dreidimensionale Form – machen die Körperoberfläche unmittelbar sinnlich erfahrbar. Darstellungen von Berührungen verstärken diese sinnliche Wirkung und verbinden Sehen, Fühlen und Begreifen. So erweist sich die Kunst als ein inspirierendes »Archiv« dafür, wie wir die Haut wahrnehmen und empfinden.

 

 

Kuratorin

Dr. Astrid Reuter (Leiterin Graphische Sammlung bis 1800, Städel Museum)

Städel MuseumSchaumainkai 63, 60596 Frankfurt
12.12.2026 - 14.02.2027
Cottbus

Matthias Körner – Innerer Himmel

Mit der Hinterglasmalerei hat Matthias Körner mittlerweile seine ureigene, ihm gemäße Technik gefunden, deren Bildwerke im Zentrum dieser Personalausstellung stehen.

 

Das für sie typische spiegelverkehrte Anlegen der Komposition ist dem Künstler (geb. 1954 in Cottbus, lebt ebenda) bereits durch seine Praxis diverser druckgrafischer Spielarten des Tiefdrucks vertraut: Hier war es für Körner insbesondere die Intagliotypie, in der er – um die 2010er Jahre – die Fotografie mit zeichnerisch-malerischem Gestus verbinden konnte und deren Schwarz-Weiß-Blätter ebenfalls punktuell Eingang in die Cottbuser Präsentation finden werden. Da im Vergleich zur Malerei auf Leinwand oder Papier der Arbeitsvorgang bei den Hinterglasbildern ein umgekehrter ist, muss der Künstler also nicht nur »rechts ist links« bedenken, sondern auch das »hinten vorn ist« – etwas, das laut Aussage Körners nach Jahren auf und hinter den zunehmend größer werdenden (Acryl-)Glasplatten für ihn zur Selbstverständlichkeit geworden ist.

 

Losgelöst von Trägermaterial und Technik bewegen sich seit dem Beginn seiner freiberuflichen Tätigkeit im Jahr 1989 seine Bildwelten vom Innen und Außen – wollte man traditionelle Genrebezeichnungen bemühen – zwischen zeitlos wirkenden Interieur-, Stillleben- und Landschaftsdarstellungen. Die Figur spielt, wenn überhaupt, meistens als Rückenfigur und Utensil, in jüngeren Arbeiten als Puppe eine untergeordnete Rolle. Zuweilen verabschiedet sich Matthias Körner in seinen Arbeiten gänzlich von der Wiedergabe eindeutig zu bestimmender Dinge und Orte und entlässt uns in wiederum verlockend anschauliche Farb- und Formwelten hinter Glas.

Brandenburgisches Landesmuseum für moderne KunstUferstraße/Am Amtsteich 15, 03046 Cottbus
11.12.2026 - 04.04.2027
Schleswig

Unter Göttern und Dämonen

Victor von Plessen und Friedrich Dalsheim

 

Mit der großen Sonderausstellung Unter Göttern und Dämonen. Victor von Plessen und Friedrich Dalsheim präsentiert das Museum für Kunst und Kulturgeschichte das Werk zweier beeindruckender Kunstschaffender: Zum einen ist dies der aus Schleswig-Holstein stammende Victor von Plessen (1900–1980) – Forschungsreisender, Ornithologe, Maler und Filmemacher. Zum anderen geht es um Friedrich Dalsheim (1895–1936) – Pionier des ethnographischen Films. Zusammen bereisten sie in den 1930er Jahren Indonesien und drehten zwei Meilensteine des ethnographischen Films: Die Insel der Dämonen (1933) und Die Kopfjäger von Borneo (1936). Die Filme entstanden in Zusammenarbeit mit der balinesischen Dorfgemeinschaft von Bedulu bzw. mit den indigenen Dayak und Punan auf Borneo. 

 

Unsere Ausstellung ist eine transkulturelle Kooperation zwischen der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen und der Plessen-Stiftung Wahlstorf sowie der Deutschen Kinemathek (Berlin) und dem Agung Rai Museum of Modern Art (Ubud, Bali).

 

Die Ausstellung in der Reithalle von Schloss Gottorf vereint Film, Bildende Kunst, Literatur, Ornithologie und Ethnologie. Zu sehen sein werden Filmausschnitte, Werk- und Standfotos, Plakate und Dokumentationsmaterial; durch von Plessen in Bali gesammelte Vogelbälge; indonesische Ethnographica und Stoffmalereien (von Ida Bagus Anom, Anak Agung Gede Soberat) und Zeichnungen (von I Nyoman Ngendon) sowie Ölgemälde von Victor von Plessen und seinem auf Bali lebenden Malerfreund Walter Spies (1895–1942).

Landesmuseen Schleswig-HolsteinSchlossinsel 1, 24837 Schleswig
06.12.2026 - 14.02.2027
Frankfurt (Oder)

Die GEDOK in Brandenburg – Künstlerinnen des Netzwerks zu Gast im BLMK

Dorit Bearach, E.R.N.A., Elli Graetz, Ingrid Hartmetz, Erika Stürmer-Alex, Christiane Wartenberg u. a.

 

In der Gruppenausstellung im BLMK werden einige Akteurinnen der GEDOK mit ihren individuellen künstlerischen Positionen vorgestellt. Auch deren Eingebundensein in das Künstlerinnen-Netzwerk wird aufgezeigt. Dabei werden verschiedene Perspektiven von Brandenburger Künstlerinnen auf ihre Region, auf ihre Handlungs- und Einflussbereiche reflektiert.

 

Die GEDOK feiert 2026 ihr 100-jähriges Bestehen. Der »Verband der Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstfördernden e.V.« ist die älteste und größte interdisziplinäre Künstlerinnenvereinigung Europas. Seit einem Jahrhundert fördert das Netzwerk den Austausch und die Sichtbarkeit von Künstlerinnen. 1994 wurde die »GEDOK Brandenburg« als Landesverband gegründet. Seit 32 Jahren arbeiten hier Künstlerinnen mehrerer Generationen zusammen.

 

Werke von GEDOK-Mitgliedern, die sich in der umfangreichen, seit den 1960er Jahren konsequent aufgebauten Kunstsammlung des BLMK finden, werden in die Präsentation der aktuellen Werke sowie des Netzwerks eingefädelt. Somit verbinden sich in der Ausstellung verschiedene Ebenen des individuellen künstlerischen Arbeitens der Gegenwart im Kontext historischer Netzwerksbildung und einer Sammlungsentwicklung.

Brandenburgisches Landesmuseum für moderne KunstMarktplatz 1, 15230 Frankfurt (Oder)
05.12.2026 - 28.02.2027
Burgdorf

Cantonale Berne Jura – CBJ26

Das Museum Franz Gertsch nimmt an der Cantonale Berne Jura, der Jahresausstellung der Kantone Bern und Jura, teil. Die Ausstellung findet im Kabinett statt. Hier treten aktuelle Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern in einen Dialog miteinander und zeigen ein Spektrum von abwechslungsreichen, zeitgenössischen Positionen. Diverse Techniken und Materialien werden aufgegriffen.

 

Aus der Tradition der regionalen Weihnachtsausstellungen entstanden, leistet die Cantonale Berne Jura einen wichtigen Beitrag zur regionalen und nationalen Kunstförderung. Sie stärkt das Netzwerk der in den beiden Kantonen tätigen Ausstellungsinstitutionen und hat sich als vielseitige Plattform für Kunstschaffende und Publikum etabliert.

 

Die Cantonale Berne Jura ist ein Zusammenschluss von elf Ausstellungsinstitutionen, die in einer gemeinsamen Jahresausstellung das Kunstschaffen der Kantone Bern und Jura präsentieren. Die kantonsübergreifende Ausstellung findet seit 2011 jährlich statt und wird seit 2012 vom Verein Cantonale organisiert und getragen. Ein gemeinsamer Eintrittspass für alle Institutionen kann an den jeweiligen Ausstellungskassen bezogen werden und ermöglicht den kostengünstigen Besuch aller Häuser.

 

Zur Eingabe berechtigt sind alle professionellen Künstlerinnen und Künstler, die entweder im Kanton Bern oder Kanton Jura ihren Wohnsitz oder Arbeitsort haben oder einer der beiden Kunstszenen angehören.

 

Die Ausstellung wird kuratiert von Anna Wesle in Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der Jury.

Museum Franz GertschPlatanenstraß 3, 3401 Burgdorf
04.12.2026 - 21.02.2027
Wien

Beaux Mendes

Beaux Mendes erarbeitet sich die Malerei als ein passageres Medium – ein Mittel des Übergangs und des Werdens auf unsicherem Boden. In den dicht geschichteten abstrakten Kompositionen der in Los Angeles lebenden Künstler:in flirrt Figuration zwischen Auftauchen und Entzug, zwischen Verdichtung und Auslöschung. Die Werke suchen nach einem Dazwischen: einem flüssigen, vorläufigen und widerständigen Zustand. Mendes’ Malerei lässt sich Zeit und widersetzt sich traditioneller Darstellung. Es gilt nicht das schon Sichtbare zu zeigen, vielmehr geht es darum, das Unsichtbare – das, was sich nicht zeigen darf – aufzudecken. Die Arbeiten erinnern uns daran, dass das Bild nie gänzlich wahrnehmbar, gar gedanklich erfassbar sein kann. Die Bildträger – ob Leinen, Holz, Pergament oder Paneele – spielen eine entscheidende Rolle. Statt sie im Dienst der Illusion zu verbergen, kratzt und wischt Mendes immer wieder die Farbschicht ab, um ihre je eigene Textur freizulegen. Dieser Prozess ruft gespenstische Formen ins Leben und unterstreicht einen Eindruck des Unvollständigen.

 

Mendes’ Werke untersuchen – und dekonstruieren – europäisch-amerikanische Traditionen der Landschafts- und Pleinairmalerei; letztere, eine Entwicklung des 19. Jahrhunderts, wird oft mit der kolonialen Inbesitznahme und Ästhetisierung sogenannter »unerforschter« Gebiete in Verbindung gebracht. Bei Mendes dagegen dienen wiederholte Reisen an entlegene Orte wie den Angeles National Forest in Kalifornien oder den Schwarzwald und das Elbtal in Deutschland einer kritischen Reflexion auf die Ideologien, die sich Landschaften eingeprägt haben: Ausbeutung, Auslöschung und die Malerei als Werkzeug von imperialer Herrschaft und Ethnonationalismus. Durch beharrliche Materialerkundung und verkörperte Forschung eröffnen Mendes’ Malereien neue Räume des Vorstellens und Fühlens – Räume, die sich der Schließung widersetzen und andere Blicke auf und Beziehungen zu Land, Erinnerung und Form ermöglichen. So reaktiviert die Künstler:in das Genre der Landschaftsmalerei als Ort transformativer Potenziale.

 

In der Secession zeigt Mendes vor allem neue Werke, von denen einige während eines Arbeitsaufenthalts in Wien entstanden sind. Die Schau versammelt diverse Facetten des Œuvres, darunter auch jüngste Arbeiten im Medium der Skulptur und ausdrücklicher figurative Malereien.

 

Kuratiert von Jeanette Pacher

Wiener SecessionFriedrichstraße 12, 1010 Wien
04.12.2026
München

Design für Alle – Die erste Sammlungspräsentation zu inklusivem Design

Ihrer Vorreiterrolle eines inklusiven Designmuseums entsprechend erarbeitet Die Neue Sammlung die erste Sammlungspräsentation zum Thema »Design für Alle«. Der Anspruch, Objekte des Alltags für alle Menschen zu gestalten, prägt seit jeher viele Strömungen des Designs. In den Dauerausstellungen internationaler Designmuseen wird dieses Thema jedoch bisher nicht behandelt, sondern allenfalls in temporären Sonderausstellungen aufgenommen.

 

Die Ausstellung soll der von uns beobachteten Ansicht entgegenwirken, dass inklusives Design immer noch als Nische zu betrachten ist. Sowohl in der Industrie als auch in der Bevölkerung genießt es allgemein ein geringeres Ansehen als andere Anwendungsbereiche der Gestaltung. Doch dies steht im Gegensatz zu aktuellen Kreativprozessen, die auf diverse Arbeitsgruppen setzen, sowie großen, selbstverständlich gewordenen Innovationen, die durch inklusive Ansätze erreicht wurden! 

 

Die ausgestellten Objekte des inklusiven wie auch exklusiven Designs geben nicht nur Einblicke in »andere« Lebenswelten, sondern machen deutlich, dass ihre Charakteristika trotz oder gerade wegen ihrer Ausrichtung auf ganz bestimmte Nutzergruppen für alle Menschen sinnvoll und attraktiv sein können. Die Ausstellung soll inklusives Design als grundlegendes Designprinzip und als Triebkraft von Neuerungen nachhaltig sichtbar und erfahrbar machen.

Die Neue Sammlung – The Design MuseumBarer Straße 40, 80333 München
04.12.2026 - 21.02.2027
Wien

Iza Tarasewicz

Die raumgreifenden Installationen der polnischen Künstlerin Iza Tarasewicz nehmen als modulare Strukturen Gestalt an – mobile und rekonfigurierbare Systeme auf Grundlage formaler Prinzipien, die von der Natur, wissenschaftlicher Forschung und visuellen Hilfsmitteln wie Graphen und Diagrammen inspiriert sind. Viele ihrer Arbeiten bestehen aus diversen Einheiten, die sich je nach Ausstellungskontext fortlaufend neu anordnen und umgestalten lassen. Die Künstlerin bezieht sich dabei auf die atomistische Philosophie der klassischen Antike wie auf Erklärungsmodelle aus dem 20. Jahrhundert – Quantenphysik und Chaostheorie – in Verbindung mit eingehenden Untersuchungen zu Arbeit, volkstümlichen Traditionen und Modernismus. Ihre Skulpturen und Assemblagen, in denen sie Materialien von gerostetem Stahl bis hin zu Lingzhi-Pilzen verarbeitet, bilden dynamische Systeme, in denen die Grenze zwischen Organischem und Anorganischem verschwimmt. Tarasewicz’ Kunst ist tief in den gesellschaftlichen und (land-)wirtschaftlichen Praxen verwurzelt, die sowohl in der Region Podlachien, wo sie geboren wurde, bleibende Spuren hinterlassen haben als auch in den Riten und Volkstraditionen, die die Kultur großer Teile Mittel- und Osteuropas prägen.

 

Im Zentrum von Tarasewicz’ Werk steht der Gedanke, dass unser Leben entgegen der trügerischen Vorstellung, wir könnten uns von unserer Umwelt lösen, untrennbar mit dem anderer, uns begleitender Arten verwoben ist. Angesichts wachsender sozialer Ungleichheiten und des Hyperindividualismus in den kapitalistischen Gesellschaften wie auch der populistischen und faschistischen politischen Bewegungen, die sie nähren, ist ihre Praxis von der Frage geleitet, wie wir Bindungen eingehen und Verwandtschaften knüpfen können. In ihrer eklektischen Ausstellung in der Secession bringt Tarasewicz Sci-Fi-Konzepte in Verbindung mit Landwirtschaft, indem sie Raumfahrzeuge und Retro-Maschinen kombiniert, die in der heutigen Wirtschaft nutzlos geworden sind und als technologischer Schrott gelten. Indem sie diese Maschinen ihre eigene chaotische Gemeinschaft aufbauen lässt, schafft sie spielerische und humorvolle Modellbeispiele einer anderen Wirklichkeit, um so einer sich ständig beschleunigenden Welt, in der wirtschaftliche und politische Ordnungen rund um den Erdball in einer ernsten Krise stecken, die Stirn zu bieten. Ihre Installation spiegelt Chaos nicht nur als zerstörerische Kraft wider, sondern erkundet zugleich sein produktives Potenzial, eine Offenheit, die zu neuen Einsichten führen und Formen gemeinschaftlichen Lebens wiederaufleben lassen kann.

  

Kuratiert von Bettina Spörr

Wiener SecessionFriedrichstraße 12, 1010 Wien
02.12.2026 - 28.02.2027
Frankfurt am Main

SurFace – Über Haut

Mit rund zwei Quadratmetern ist die Haut das größte Organ des Menschen. Sie bedeckt und umhüllt den Körper, begrenzt und schützt ihn und macht Fühlen überhaupt erst möglich. Auf ihrer Oberfläche schreiben sich Erfahrungen und Empfindungen ein; sie prägt unsere Identität und ist zugleich auch Projektionsfläche für unser Gegenüber.

 

Ausgehend von ausgewählten Arbeiten der Graphischen Sammlung präsentiert die Ausstellung mehr als 60 Werke aus verschiedenen Medien und Epochen. Zeichnung, Malerei oder Skulptur – von den Alten Meistern bis zur Gegenwartskunst entfaltet sich ein vielschichtiges Panorama, das die Wiedergabe der Haut als eine der grundlegenden Aufgaben künstlerischer Praxis vor Augen führt. Die Haut erscheint dabei als Spiegel von Schönheit und Verletzlichkeit, von Jugend und Alter sowie als Ort der Emotion, Berührung und Begehrlichkeit. 

 

Zu sehen sind sowohl weniger bekannte Werke als auch Arbeiten namhafter Künstler wie Hans Baldung gen. Grien, Raffael, Tizian, Peter Paul Rubens, Auguste Rodin oder Robert Mapplethorpe. Durch die Gegenüberstellung der Werke werden Unterschiede und Parallelen in der Darstellung der Haut sichtbar und die Vielfalt gestalterischer Ansätze deutlich. Die verwendeten Materialien und Techniken – ob Pinsel und Farbe, Metallstift, Kreide, Kohle oder die dreidimensionale Form – machen die Körperoberfläche unmittelbar sinnlich erfahrbar. Darstellungen von Berührungen verstärken diese sinnliche Wirkung und verbinden Sehen, Fühlen und Begreifen. So erweist sich die Kunst als ein inspirierendes »Archiv« dafür, wie wir die Haut wahrnehmen und empfinden.

 

 

Kuratorin

Dr. Astrid Reuter (Leiterin Graphische Sammlung bis 1800, Städel Museum)

Städel MuseumSchaumainkai 63, 60596 Frankfurt
28.11.2026 - 28.02.2027
Hannover

NEVIN ALADAG – KURT SCHWITTERS PREIS 2026 DER NIEDERSÄCHSISCHEN SPARKASSENSTIFTUNG

Nevin Aladağ erhält den Kurt Schwitters Preis 2026 der Niedersächsischen Sparkassenstiftung. Die Auszeichnung, die zum fünfzehnten Mal vergeben wird, ist mit 30.000 Euro dotiert und umfasst eine umfangreiche Einzelausstellung im Sprengel Museum Hannover. Die Preisverleihung findet im Herbst 2026 statt.

 

Aladağ wurde 1972 in Van (Türkei) geboren, wuchs in Stuttgart auf und studierte von 1994 bis 2000 Bildhauerei bei Olaf Metzel an der Akademie der Bildenden Künste München. Sie lebt heute in Berlin und ist seit 2019 Professorin für »Skulptur in Bewegung« an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Nevin Aladağ arbeitet multimedial. Ihr Werk umfasst Skulpturen, Installationen, Collagen, Reliefs, Video- und Soundarbeiten sowie Performances. Oft dienen Alltagsgegenstände, alltägliche Situationen und Handlungen als Ausgangspunkt. Ihr Interesse gilt den kulturellen und politischen Bedeutungen, die mit der Herkunft und Geschichte dieser Objekte verbunden sind. Durch die Herauslösung der Dinge aus ihrem ursprünglichen Kontext verändert sie deren Lesart und macht ideologische und politische Konnotationen sichtbar. Ein zentrales weiteres Thema ihrer Arbeit ist Musik, Tanz und Spiel als Ausdruck kultureller Identität. In Projekten wie dem Musikzimmer, das 2017 auf der documenta in Athen gezeigt wurde, kombiniert sie Musikinstrumente aus verschiedenen Teilen der Welt zu skulpturalen Arbeiten, Performances und Wandreliefs.

 

Internationale Bekanntheit erlangte sie insbesondere durch ihre Teilnahme an der documenta 14 (Athen und Kassel) sowie der 57. Biennale von Venedig (2017). Ihr Werk wurde in zahlreichen internationalen Einzelausstellungen präsentiert, darunter im Max Ernst Museum Brühl (2024), in Seoul, München, London, San Francisco, Hannover, Dresden, Linz, Basel, Berlin und Istanbul.

 

 

KURT SCHWITTERS PREIS DER NIEDERSÄCHSISCHEN SPARKASSENSTIFTUNG

 

Anliegen des KURT SCHWITTERS PREIS ist es, Künstlerinnen und Künstler zu würdigen, »deren Werk durch die Berufung auf Kurt Schwitters gekennzeichnet ist und sich durch das Vorwagen in neue Bereiche künstlerischen Gestaltens und künstlerischer Vorstellungen auszeichnet, oder deren Werk einen Beitrag zur Verbindung und Integration der künstlerischen Gattungen leistet«. Die Vergabe des KURT SCHWITTERS PREIS ist ein wichtiger Baustein der Kulturförderung der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, die sich durch ein ganzjähriges Engagement in den Förderbereichen Bildende Kunst, Musik, Museen und Denkmalpflege auszeichnet.

 

Kuratiert von Stefan Gronert

 

Eröffnung: 27. November 2026, 19 Uhr

Sprengel MuseumKurt-Schwitters-Platz, 30169 Hannover